Transatlantik mit dem Kat (2002)

Törndatum:

18. November bis 7. Dezember 2002

Hafen Beginn / Ende:

Las Palmas - Scarborough (Tobago)

Route:

Transatlantik

Seemeilen:

ca. 2900

Crew:

Bernhard, Georg, Heinz, Ottmar, unser Skipper Gerhard und Thomas

Aus dem Logbuch:

Das Abschiedsessen am Vorabend fiel aus. Unser jährlicher Weinhöhepunkt: die große Bordeauxprobe bei Guy Robert! Entsprechend groggy ging es am Samstag zum Flughafen. Um 11:00 ging der Flieger nach Las Palmas los, vorwiegend Senioren auf dem Weg ins Warme. Ich hatte anderes vor: im Kojencharter bei Ecker Yachting mit dem Katamaran über den Atlantik segeln.

Im Hafen von Las Palmas lag sie dann: die "PRIVILEGE", ein nagelneuer Privilege 465 von 14,5  mtr. Länge. Der Kat war direkt von der Werft in Les Sables d'Olonne gekommen, hatte gerade 1907 SM hinter sich. Eine sehr schöne Yacht mit allem Komfort: Generator, Watermaker, Tiefkühlschrank und Geschirrspüler.

Mittlerweile war die restliche Crew angekommen: Heinz aus Neumünster, Bernhard aus München, Ottmar und Georg aus Österreich, sowie unser Skipper Gerhard. Am Sonntag wurde zuerst die Einkaufsliste erstellt: 240 Dosen Bier, 120 Ltr. Trinkwasser, 40 Ltr. Saft, 30 Pckg. Brot, usw. Insgesamt 1.100 EUR an Lebensmitteln. Zu unser Enttäuschung mussten wir erfahren, dass die Supermärkte in Las Palmas am Sonntag geschlossen bleiben. Unser Abfahrt musste somit verschoben werden.

Am Montag dann endlich einkaufen. Mit ca. 8 Einkaufswagen und unzähligen Kisten kamen wir zur Kasse. Zum Glück wurde geliefert, so dass wir um 16:00 nach dem Tanken endlich ablegen konnten.

Es ging auf die Reise! Mit einiger Aufregung und Anspannung waren wir unterwegs in die Karibik. Ohne Möglichkeit der Umkehr, da ein Segeln gegen den Passat nicht möglich ist.

In den ersten Tagen hatten wir wenig Wind, wir liefen unter Motor und Genua. Unser Ziel: nach Süden Richtung Kap Verden in den Passatgürtel. Die Etmale blieben gering, dafür das Wetter schön.

Nach einigen Tagen kam dann der Wind wie erwartet. Wir setzen den Spi -einen "Parasailor", eine Kombination aus Spinnaker und Gleitschirm. Ein revolutionäres Vorwindsegel, das wir insgesamt ca. 200 Stunden gesetzt haben, einmal 115 Stunden Nonstop. Bestes Sonntagssegeln

Während unsere Familien den Fortschritt im Internet verfolgten kamen wir langsam vorwärts. Trotzdem war abzusehen, dass es knapp wird bis Trinidad. Halbzeit erst nach 10 Tagen. Dazu immer eine konfuse See mit Wellen aus unterschiedlichen Richtungen. Nur der Wind blieb konstant: 4-5 Bft. aus NE.

Erst in der zweiten Hälfte wurden wir schneller. Der Wind frischte auf 6 Bft. auf, dazu Strom mit 1 Kn. Unser bestes Etmal: 170 SM über Grund.

Trotzdem: Trinidad war nicht mehr drin: wir würden in der Nacht ankommen und könnten vor unserem Abflug nicht mehr einklarieren. Also: Umbuchen nach Tobago. Bernhard lieh uns sein Iridium Telefon und Gerhard rief bei Ecker Yachting an. Pustekuchen: von dort kam nur die Auskunft: "wir können das nicht buchen". Also nahmen wir es selbst in die Hand: dank Reiseführer direkt in Trinidad angerufen und 4 Tickets für den Flug von Tobago nach Trinidad reserviert.

Am 7.12. um 15:45 fiel der Anker in Scarborough, Tobago. Natürlich war hier die Immigration geschlossen, wir mussten zum Flughafen zum einklarieren, konnten dafür aber unsere Tickets gleich mitnehmen.

Dann ab in die Kneipe. Das beste am Blauwassersegeln ist immer das Bier auf der anderen Seite des Ozeans! Am Sonntag der Rückflug: Tobago - Trinidad - Miami - Frankfurt - Hamburg, insgesamt 24 Stunden Reisezeit. Endlich ein Wiedersehen mit Birgit, die mir auf der Reise sehr gefehlt hat.

Fazit: In 19 Tagen sind  wir über den Atlantik von Las Palmas nach Tobago gekommen. Was für viele Segler ein Traum bleibt ist so für mich Wirklichkeit geworden! Ich würde es wieder machen - aber nur mit dem Katamaran. Während Einrumpfboote 30 Grad von Links nach Rechts pendeln konnten wir immer aufrecht gehen, sogar die Weingläser blieben auf dem Esstisch stehen. Das nächste Mal würde ich aber danach in der  Karibik weitersegeln, 19 Tage sind lang und es gibt wenig (keine) Abwechslung. Das Vergnügen beginnt erst auf der anderen Seite des Ozeans.

Heinz hat ergänzend noch einen Törnbericht verfasst, der auch die Stimmung an Bord gut einfängt.

Ach ja, nach dem Debakel mit der Umbuchung würde ich wohl nicht mehr bei Ecker Yachting buchen.
Anmerkung: Mittlerweile hat sich Herr Ecker hier persönlich entschuldigt.