Rund Korsika mit Anlauf

Törndatum:

18. April 2014 - 03. Mai 2014
24. Mai 2014 - 15. Juni 2014 

Hafen Beginn / Ende:

Saint Mandrier

Route:

Saint Mandrier - Porquerolles - Cavalaire- Calvi
Calvi - Saint Florent - Macinaggio - Taverna - Rondinara - Propriano - Porto Pollo - Ajaccio - Girolata - Calvi - Girolata - Cavalaire - Port Cros - Porquerolles - Saint Mandrier

Seemeilen:

~600 SM

Crew:

Birgit und Thomas Dorn, Ute Schweppe

Aus dem Logbuch:

Nach neun Jahren in der Ostsee haben wir unsere Yacht 2009 ins Mittelmeer verholt um seitdem jedes Jahr einen oder zwei längere Urlaubstörns zu machen.  Für die Saison 2014 habe wir uns eine weitere Reise nach Korsika vorgenommen. Statt aber alles im begrenzten Zeitraum eines dreiwöchigen Urlaubs zu packen und jeder Etappe hinterher zu segeln haben wir den Törn aufgeteilt. Mit einiger Recherche konnten wir für den Monat Mai einen Liegeplatz auf Korsika finden, so dass wir die IMMIGRANT SONG dort liegen lassen konnten.

Die Saison beginnt

Die Segelsaison 2014 beginnt für uns am Flughafen in Hamburg an Karfreitag. Birgit, Fannie (unser Hund) und ich sitzen im Flieger nach Marseille, wo wir pünktlich gegen Mittag landen. Von dort geht es weiter mit dem Leihwagen nach La Seyne sur Mer, wo unser Boot im Winterlager auf dem Trockenen stand. Nachdem wir mit der Werft abgerechnet hatten hing die IMMGIRANT SONG kurze Zeit später auch schon am Kran und gegen 16 Uhr konnte ich sie nach Saint Mandrier verholen. 

In Saint Mandrier haben wir inzwischen unseren Liegeplatz gefunden. Der Yachtha-fen wurde 2009 ausgebaggert und vergrößert, was uns seinerzeit die einmalige Ge-legenheit gab einen Platz zu ergattern. Saint Mandrier liegt am Ende der Bucht von Toulon, auf der gleichnamigen Halbinsel versprüht einen besonderen Charme. Einerseits lebt der Ort von der Marine, die auf der Halbinsel einen großen Standort hat, andererseits versucht er seine Rolle im Tourismus zu finden. Was jedoch nicht immer gelingt. Die Hafenpromenade auf beiden Seiten bietet jedoch wenig touristische Infrastruktur. Außer einer Handvoll Restaurants, die wiederum hauptsächlich von den Marinesoldaten leben, zwei Bäckern und einem kleinen Supermarkt gibt es nicht viel Abwechslung. 

Außer Samstags, dann gibt es einen Wochenmarkt, viel zu groß für den Ort aber daher auch Anziehungspunkt für die ganze Region. Hier treffen sich alle und hier gibt es alles, vom frischen Obst und Gemüse bis hin zum Schlüpfer für Oma. Auch wir kaufen hier immer ein, sichern uns den Reiseproviant an frischer Ware, kaufen Olivenöl, Honig, Gemüse, Obst und wer-weiß-noch-was.   

Dieser Samstag steht für uns aber hauptsächlich im Zeichen der jährlichen „Inbe-triebnahme“.  Nach sechs Monaten Winterpause gibt es ja bekanntlich genug zu tun und anders als die Segler an der Ostsee kann man nicht mal eben jedes 2. Wochenende nach Südfrankreich fahren um das Schiff vor der Saison klar zu machen. 

Als Überraschung zum Saisonanfang haben wir auch noch einen Kurzschluss im Landstromanschluss, beim Drücken des Schalters im Boot schlägt der FI sofort zu. Beim zweiten Versuch gehen die Lichter am Steg aus. Also erst mal zum Hafenmeister und um Entschuldigung bitten, danach den Fehler einkreisen. Statt alle Verbrauchskreise angeschaltet zu lassen nehme ich jetzt einen nach dem anderen in betrieb. Hauptschalter ohne Verbraucher – geht! Ladegerät für die Batterien – geht! Steckdosen – gehen! Wasserboiler – Licht am Steg geht aus! Also ist der Boiler durchgebrannt und ich kann noch mal zum Hafenmeister gehen.

 

Dabei ist die Arbeitsliste schon lang genug:

  • Seeventile kontrollieren, zwar schnell gemacht aber umso wichtiger
  • Neue Stecker (mit Signalleuchte) am Landstromkabel montieren
  • 2 vorausgeschickte Kisten abholen und verladen
  • Boot von außen von 6 Monate Dreck putzen
  • Boot von Innen von 6 Monate Staub putzen
  • Danach alles wieder einrichten
  • Wasserkreislauf durchspülen und reinigen
  • Danach Wassertanks füllen
  • Zum Carrefour um Vorräte einzukaufen
  • Zum Weinladen um Wein zu bunkern - insgesamt 30 Ltr. Wein (50% Rose, 50% Rot)
  • Einkäufe verstauen
  • Bootsdeck nochmal im Regen einweichen und reinigen
  • Neue Teakauflagen am Gangway montieren
  • Neuen Cockpittisch montieren
  • Cockpit nochmal reinigen, dazu Steckschott zwecks Reinigung zerlegen
  • Reparierten Salontisch fertig stellen
  • Fannie 3x täglich spazieren führen
  • Bootslichter kontrollieren
  • Leihwagen in Toulon abgeben
  • Und jetzt noch den Warmwasserboiler reparieren

 

Und das nennt man dann Osterurlaub! Am Sonntag, den 20. April 2014 schaffen wir es aber nach Porquerolles. Die ersten 14 Seemeilen sind geschafft und wir können dort die Arbeitsliste weiter abarbeiten. 

Die Insel Porquerolles mit dem gleichnamigen Ort gehört zu den Iles d’Hyeres und dort hin zu segeln ist immer eine Freude. Tagsüber ist der Ort selbst überlaufen – es gibt Ausflugsboote von Toulon bis Saint Tropez – aber Abends kehrt eine herrliche Ruhe ein. Da es nicht sehr viele Hotels gibt sind die Segler und die Einheimischen fast unter sich. Die Insel bietet sich auch für ausgedehnte Fahrradtouren an. Außer auf Sylt kennen wir keinen Ort wo es vergleichsweise viele Fahrradverleihstationen gibt.

Wir kommen natürlich nicht dazu, unsere Arbeitsliste ist noch immer lang genug. Außer den obligatorischen drei Spaziergängen mit Fannie kommen wir kaum von Bord. 

Aber, wir sind erfolgreich und zwei Tage später segeln wir weiter nach Cavalaire, von wo aus wir nach Korsika starten wollen. Cavalaire ist unser Lieblingsort und wir kommen immer wieder hierher. Vergleichsweise viele Deutsche haben sich im Ort und in der Umgebung sesshaft gemacht. Hier gibt es keinen Mangel an Restaurants, die Infrastruktur ist vollständig und das Leben leicht.  Es gibt einen langen Sand-strand mit mehreren Strandbars und Restaurants. Fünf Kilometer feinster Sand den Fannie noch mehr liebt als Birgit. 

Überfahrt nach Korsika

Für uns liegt der Hafen strategisch günstig für den Absprung nach Korsika. Am Abend gehen wir noch mal in die Pizzeria und um 2 Uhr in der Nacht zum Mittwoch legen wir ab. So hoffen wir die 105 Seemeilen noch vor dem Sonnenuntergang zu schaffen um noch bei Tageslicht in Calvi anzukommen. Andere machen lieber einen Nachttörn, der auch sehr schön sein kann, aber wir sind faul. Statt am Morgen übermüdet im fremden Revier anzukommen stehen wir lieber ein paar Stunden früher auf um noch am gleichen Tag anzkommen. 

Die Überfahrt wird sonnig und warm, nur leider gibt es nicht einen Windhauch. Wir sind auf die Dieselgenua angewiesen, kommen so aber auf direktem Weg nach 17 Stunden pünktlich zum Abendessen in Calvi am. Wir sind in Korsika angekommen!

Natürlich stellt sich die Frage ob man nicht vielleicht noch einen Tag auf Wind hätte warten sollen oder sich vielleicht auch auf See in der Flaute hätte treiben lassen sollen. Als ehemalige Wochenendsegler sind wir es aber gewohnt eher früher unter Motor unser Ziel anzupeilen als den Montag noch ungeplanten Urlaub nehmen zu müssen. Naja, wir haben immer noch die Ausrede das das Wetter und insbeson-dere der Mistral um diese Jahreszeit sehr unberechenbar ist. 

Calvi

Calvi begrüßt uns am ersten Tag mit Sonne. Wie in Cavalaire gibt es einen kilometerlangen Sandstrand der zum Wandern und Verweilen einlädt. Auch hier gibt es die Strandrestaurants aber es ist Vorsaison und die meisten haben noch geschlossen. Im Ort herrscht in den vielen Andenkenläden noch Ruhe, einige räumen neue Ware ein, andere versuchen den wenigen Kunden ihre Souvenirs anzudrehen. Aber etwas geht immer und korsische Wurst und korsischen Käse nehmen auch wir gerne mit. Nach korsischer Überzeugung ist Christopher Columbus in Calvi geboren (auch wenn diese These als widerlegt gilt). Zumindest ehrt eine große Statue vor dem Eingang zur Zitadelle den bekanntesten Lokalhelden. 

Am zweiten Tag in Calvi holt uns das Wetter ein. Für die nächste Woche sind ab-wechselnd ein Tag Sonne ein Tag Regen und ein Tag Sturm angesagt. Zwar hatten wir keine klare Reiseplanung für die nächsten Tage, aber was sollen wir machen? Nach Girolata, dort zwei Tage bei Regen und Sturm ausharren, dann wieder zurück? Nach reiflicher Überlegung beschließen wir in Calvi zu bleiben. Unseren für die Rückreise über Bastia reservierten Leihwagen verlängern wir und beschließen das Landesinnere zu erkunden. Zwar kennen wir Korsika von mehreren Urlauben, aber das letzte Mal, auf einem Motorrad, ist 20 Jahre her. Seitdem sind wir nur mit dem Boot da gewesen, haben das Landesinnere also kaum mehr gesehen.

Nicht nur wir sind seit damals älter geworden, auch Korsika hat sich verändert – allerdings zum Besseren. Am deutlichsten fällt es uns bei den Straßen auf. Früher war das Autofahren auf Korsika ein Abenteuer für sich, Schlagloch reihte sich an Schlagloch und die Straßen waren so eng das man bei Gegenverkehr anhalten musste. Inzwischen sind die Landstraßen alle verbreitert und erneuert, oftmals sogar im besseren Zustand als auf dem Festland.  Korsika ist viel europäischer geworden, die Supermärkte führen dieselben Marken und Waren wie überall, Handy, PC und Internet haben ihren Weg auch in die letzten kleinen Dörfer gefunden. Führer was Korsika deutlich uriger, eine eigenständige Kultur führte zu einer viel größeren Distanz zwischen Einheimischen und Touristen. Inzwischen dominiert das gemeinsame Europäische (wie die EU sowieso zu einer viel größeren Angleichung der Regionen führt). Der Sprachstreit zwischen Französisch und Korsisch scheint zur Folklore zu werden, auch wenn er sich weiterhin auf fast allen (durchschossenen) Ortsschildern bemerkbar macht. 

Wir nutzen die Tage für Ausflüge. Wir fahren zum Plage de Ostriconi, nördlich von Ile Rousse, wo wir 1983 unseren ersten gemeinsamen Urlaub Jahren verbrachten. Der lange Traumstrand gilt nicht umsonst als einer der schönsten auf der Welt. Er hat sich nicht verändert, sogar der Campingplatz ist derselbe geblieben. Damals waren wir  mit Freunden dort, dieses Mal haben wir dafür unseren Hund Fannie dabei.  

Auf dem Rückweg machen wir in Ile Rousse Pause und essen auf dem großen marktplatz im Café des Platanes einen Eisbecher „Boule de Neige“ – wie vor 32 Jahren. 

Am nächsten Tag, auf der Fahrt nach Porto hat es gestürmt. Die Hafeneinfahrt dort war selbst für die Ausflugsdampfer unpassierbar. Die Weiterfahrt über den Calacuccia-See nach Ponte Leccia, ist eine Berg- und Talfahrt die jeden Fahrer begeistern kann (auch wenn sie mit einem VW Up! deutlich weniger Spaß macht als sie mit dem eigenen Lotus machen würde). Unterwegs kaufen wir Honig und Öl, Kastaniengebäck.

Immer wieder genießen wir auch den kilometerweiten Strand von Calvi, nur zum Segeln kommen wir nicht mehr. Am 3. Mai steigen wir in Bastia in den Flieger nach Hamburg. Während wir nach Hamburg zurück fliegen lassen wir die IMMIGRANT Song in Calvi.

Die Rückkehr nach Korsika

Drei Wochen später sind wir wieder auf Korsika, am 24. Mai landen wir um 20 Uhr in Bastia. Mit dem Leihwagen sind wir zwei Stunden später in Calvi auf der IMMIGRANT SONG. Jetzt haben wir drei Wochen Urlaub, für die dritte Woche hat sich wobei Birgit’s Freundin Ute angekündigt.

Im Gepäck haben wir auch die neue Heizspirale für den Warmwasserboiler. Obwohl das alte Teil eigentlich nur raus- und das neue reingeschraubt werden muss dauert ie Reparatur fünf Stunden. Dass das alte Teil fest korrodiert war konnte man nach 14 Jahren erwarten, dass es aber keine Möglichkeit gibt auch nur eine Zange anzusetzen schon weniger. Am Ende blieb nur das Rausbrechen mit Hammer und Bohrer übrig. Das das Gewinde am neuen (Original)-Ersatzteil aber nicht vollständig war und sich daher nicht richtig reindrehen reichte um die Laune endgültig zu verderben. Immerhin konnte ich nach der Arbeit zum ersten Mal in dieser Saison an Bord heiß duschen.

Während am Sonntag, wo wir Einkäufe zu erledigen haben bestes Segelwetter herrscht kommt am Montag Starkwind auf. Es bläst mit 6-7 Bft. aus Südwest, auf der offenen See vor Revelata stehen 2-3 Meter Welle. Ausgerechnet in diesem Nordwestzipfel von Korsika herrscht Sturm, während laut Wetterbericht am Cap Corse, im Osten, im Süden und auch im Südwesten bestes Segelwetter herrscht. 

An den geplanten ersten Schlag nach Girolata, ca. 20 Seemeilen nach Südwest ist nicht zu denken.  Am Dienstag das gleiche Wetter, wie auch am Mittwoch, langsam verlieren wir die Lust an Calvi. 

Am Donnerstagmorgen sieht es etwas besser aus, doch dann dauert die Abrech-nung beim Hafemeister länger als erwartet. Als wir endlich ablegen hat der Wind wieder zugenommen. Wir kommen gerade bis Revelata bevor wir erkennen, dass der Schlag gegen an nach Girolata eine Tortur werden würde. Ein Segeln, dass man keinem Hund zumuten würde, erst gar nicht unser Fannie!

Rund Korsika

Kurzentschlossen drehen wir nach Norden ab, neues Ziel Saint Florent. Zwar weht der Wind immer noch mit 6-7 Bft. und die Welle hat auch noch dieselben 2-3 Meter, aber jetzt segeln wir Raumschots. Wir setzen die Genua und rauschen, bzw. tänzeln mit 6-7 Knoten unserem neuen Ziel entgegen. So geht es die nächsten 25 Seemeilen bis zur  Desert des Agriates, der nordwestlichsten Ecke von Korsika. Kaum sind wir um die Ecke flaut der Wind ab, jetzt schützt uns die Küste vor der Welle. Wir werden immer immer langsamer, es dauert nicht lange bis wir bei nur noch 3 Knoten Fahrt den Motor zur Hilfe nehmen müssen. Als wir in Saint Florent festmachen herrscht Flaute.

Saint Flo, wie es oft genannt wird versteht sich als die Korsische Antwort auf Saint Tropez. Auch wenn der Vergleich weit übertrieben ist zeigt sich der Ort doch deutlich vornehmer als z.B. Calvi. Auch das Publikum ist hier anders, alles ist etwas edler und die Restaurants (wie auch der Hafen)  etwas teurer. Trotzdem ist es ein schönes Städtchen und wir genießen die Abwechslung  nach all den Tagen in Calvi.

Tags darauf segeln wir weiter über Cap Corse nach Macinaggio. Eigentlich wollten wir auf der allgemein als interessanter betrachteten Westseite bleiben aber in Calvi stürmt es immer noch. So beschließen wir jetzt doch einmal Korsika Rund zu machen.

Macinaggio liegt an der Nordostecke von Korsika, wenige Meilen hinter Cap Corse. Obwohl es an Cap Corse fast immer viel Wind hat haben wir Leichtwind, passieren Cap sogar unter Motor.  Wir befinden uns dort wo die Entfernung zum Italienischen Festland am geringsten ist, im Hafen von Macinaggio liegen dementsprechend 15-20 Italienische Segler, die zu einer Regatta zusammen gekommen sind. Ansonsten ist der Ort ist klein, man ist in wenigen Minuten einmal durchs ganze Dorf. Nach Norden gibt es aber einen langen Sandstrand.

Der Osten

Samstagmorgen begrüßt uns mit Wolken, die Wettervorhersage sagt leichten Regen und Gewitter an. Wir wollen einen möglichst langen Schlag entlang der Ostküste machen um die verlorene Zeit aufzuholen. Die ganze Küste ist ein endloser Strand, allerdings auch ohne Möglichkeit zum Anhalten. Bastia, das wir aus vorherigen Urlauben kennen lassen wir rechts liegen und bis segeln bis Campolore, bzw. dessen Hafen Taverna. Naja, segeln wäre wohl zu viel gesagt, aber bei 6-8 Knoten Wind aus Ost  und laufender Maschine kommen wir mit gesetzten Segeln gut voran. Französisches Motorsegeln halt.  

Während wir 2-3 Meilen von Land entfernt nur lockere Bewölkung haben sehen wir wie sich ein Gewitter nach dem anderen in den Bergen hinter der Küste entlädt. Erst als wir uns nach 40 Seemeilen dem Etappenziel und somit der Küste nähern zieht sich auch über unseren Köpfen der Himmel zu. Als wir Taverna erreichen fängt es auch an zu regnen. 

Wir haben Probleme einen Liegeplatz zu finden. Der Hafenmeister ist nicht da und auf unsere Funkrufe reagiert er auch nicht. Zwar sind einige Plätze frei, nur schwimmt da immer eine kleine rote Boje. Als wir es dort trotzdem versuchen stellen wir fest, dass die Boje eine Mindertiefe anzeigt. Mit Mühe und Not finden wir doch noch einen Platz. Kurz vor dem Gewitterausbruch schafft es Birgit noch mit Fannie an Land.

Taverna selbst ist nicht mehr als ein Hafen. Der Ort Campoloro liegt einige Kilometer entfernt und eine durchgängige touristische Infrastruktur ist nicht vorhanden. Der Hafen selbst hinterlässt keinen positiven Eindruck. Fast aus-schließlich mit Dauerliegern belegt (darunter viele Deutsche) ist er weitestgehend ausgestorben. Und, bei dem regen sieht man die wenigen Anwesenden auch nicht.

Der nächste Morgen  begrüßt uns mit Sonne und wir sind froh von Taverna wieder weg zu kommen. Unser Tagesziel: Solenzara, knapp 30 SM. Wieder haben wir leichte Winde, wieder können wir Motorsegeln und erreichen Solenzara somit am frühen Nachmittag.  Obwohl Sonntag ist haben die Geschäfte auf und es herrscht reges Treiben im Ort – so anders als Campoloro. Zwar ist Solenzara auch nicht groß, aber man hat offenbar die richtigen Schritte unternommen um Leben in den Ort zu bringen. 

Der Süden

Nach den langen Schlägen der letzten Tage lautet das Ziel am nächsten Tag Rondinara, nur knapp 20 Seemeilen Südlich von Solenzara. Wieder lassen wir den größeren Ort, Porto Vecchio rechts liegen. Auch dort waren wir schon öfters und wir suchen die Abwechslung. 

Rondinara empfängt uns Traumwetter zur passenden Traumlage. Eine fast kreisrunde Bucht mit im Verhältnis schmaler Einfahrt und weißen Sandstrand. Es liegen nur 5-6 Boote in der Bucht. Unser Anker hält sofort und das Dingi ist in wenigen Minuten im Wasser. Den Nachmittag verbringen wir am Strand,  Fannie freut sich mal wieder schwimmen zu können. Definitiv ein Platz zum Verweilen!

Am nächsten Morgen müssen wir eine Entscheidung treffen. Eigentlich müsste man für die Inselwelt in der Straße von Bonifacio noch mindestens eine Woche mehr Zeit haben. Als Mindestziel wollten wir nach Lavezzi, immer wieder als Traumankerplatz empfohlen. Aber es herrscht Südwind, somit müssten wir auf der Nordseite ankern. Auch würde eine weitere Nacht in Lavezzi bedeuten dass wir unseren letzten Zeitpuffer verschenken. Am Samstag müssen wir in Calvi sein um Ute zu abzuholen.  ist für seine Altstadt, den Hafen und die Lage weltberühmt. Leider ist Bonifacio deswegen auch völlig überlaufen. Da wir schon mehrmals da waren kommt es als Ziel auch nicht in Frage. Hat man die Sehenswürdigkeiten dreimal gesehen muss man es nicht noch ein viertes Mal tun.

Also disponieren wir mal wieder um, wollen nach Propriano, insgesamt 45 Seemeilen. Der Leichtwind bleibt uns auch in der Straße von Bonifacio treu. Nur die ersten Meilen bis zur Ile Piana haben wir 4 Bft. von Vorne. Ab Bonifacio können wir segeln, dann Motorsegeln. Erst in der Bucht von Propriano geht uns der Wind aus. 

Es wird trotzdem ein langer Tag bis wir um 18 Uhr in Propriano festmachen. Nur um kurze Zeit später vom Hafenmeister auf einen anderen Platz verwiesen zu werden. Naja, unser Fehler, hier war die Funke besetzt  aber wir haben nicht angerufen. Es ist aber auch zum verzweifeln, manchmal ist der Hafenmeister da, manchmal nicht, manchmal hat er das UKW-Radio an, manchmal nicht und manchmal gibt es einen Empfangssteg wo man zuerst festmachen soll. Gerade in der Vorsaison ist jeder Hafen anders besetzt.

In Propriano ist wirklich etwas los und wir genießen den Abend mit einem Glas Wein in einer Bodega. Als Anlaufstelle für die Fähren aus Marseille und Sardinien ist hier immer etwas los und der Ort entsprechend lebendig.

Die Westküste

Nach dem langen Schlag vom Vortag geht es am Mittwoch nur die 10 Seemeilen nach Porto Pollo. Dort gibt es einen kleinen Hafen, aber die IMMIGRANT SONG wäre dafür schon deutlich zu groß. Wir nehmen also eine der ausgelegten Bojen, an den Strand geht es per Dingi. 

Am Strand wird Fannie von einem lokalen Hund umschwärmt. Er bringt ihr verschie-dene Spielsachen, stupst sie immer wieder an. Auf unserem Spaziergang folgt er Fannie auf Schritt und Tritt. Ihr scheint es zu gefallen, Puppy Love halt. Irgendwann ist der Spaziergang zu Ende und Fannie wird es mit der Liebe dann doch zu viel, wir gehen zurück aufs Boot. 

Übrigens liegen wenige Kilometer oberhalb von Porto Pollo die archäologischen Ausgrabungen von Filitosa. Nirgendwo sonst auf Korsika findet man an derselben Stätte die Statuenmenhire der Megalither und die Torren der Torreaner. Der Ausflug soll sich lohnen, aber wir schaffen es nicht mehr.

Die Weiterfahrt nach Ajaccio ist ereignisarm. Ein bisschen segeln, ein bisschen unter Motor und wir machen am frühen Nachmittag im Port Tino Rossi fest. 

Hier können wir Proviant einkaufen und auch unsere Wäsche in der Laverie am Hafen waschen. Während die Waschmaschine läuft gehen wir auf Stadtbummel.  Als Hauptstadt von Korsika pulsiert das Leben in Ajaccio, es ist laut und hektisch.  Autoverkehr und Stau, das alles sind wir nicht mehr gewohnt. Wir flüchten in die Seitenstraßen, besuchen das Musée Napoleon und das Kunstmuseum Musée Fesch. Die Einkaufsstraße Cours Napoleon bietet weit mehr als die üblichen touristischen Andenken. Zum Glück liegen heute keine Kreuzfahrtschiffe im Hafen, denn dann wird es voll und die Touristen sind überall.

Nachdem wir am Abend leckere Pizza gegessen haben legen wir am nächsten Morgen ab. Wir wollen nach Girolata, der Naturhafen nördlich von Porto. Girolata eine Welt für sich, nur auf dem Seeweg oder zu Fuß über längere Wanderwege von Galeria und Porto zu erreichen. Strom gibt es hier erst seit 30 Jahren, zu dem Zeitpunkt muss der Ort wohl so gut wie ausgestorben gewesen sein. Heute ist Girolata ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste aus Porto, die Tagesgäste kommen aber auch von Ajaccio und sogar aus Calvi.  Der Ort hat nur knapp 10 Häuser (davon mindestens die Hälfte Restaurants), wie können uns nicht vorstellen wie einsam es doch im Winter sein muss.

Für Boote liegen inzwischen Moorings, der Hafenmeister weist einen Platz zu. Man macht mit Bug- und Heck jeweils an einer Boje fest. Vom Liegeplatz aus gesehen wähnt man sich in der Karibik, wenn auch ohne Reggae-Musik.  

Ute kommt an Bord

Der nächste Tag ist Samstag und wir müssen nach Calvi um Ute abzuholen. Einmal wöchentlich gibt es einen German Wings Direktflug von Düsseldorf nach Calvi der um 14 Uhr landet. Wir müssen uns also beeilen. 

Natürlich herrscht wieder Flaute, aber kurz nachdem wir Scandola passieren kommt auch noch Nebel auf. Erst sind es nur einzelne Nebelwände, die entweder über das Meer oder die Küste ziehen.   Dann stecken wir jedoch mitten drin. Dank moderner Navigation mit GPS und Plotter weiß man zumindest wo man ist, nur sehen kann man nichts. Und so sind wir überrascht als ein französisches Kriegsschiff plötzlich vor uns auftaucht. In letzter Minute können wir ausweichen. 

Selbst Revelata, die Einfahrt nach Calvi können wir nicht sehen. Erst als wir die Spitze passiert haben löst sich der Nebel auf. In Calvi haben wir strahlenden Sonnenschein. 

Als wir festmachen sehen wir Utes Flieger im Landeanflug, kurze Zeit später trifft sie an Bord ein.

Ich bin jetzt erst mal abgemeldet. Ute und Birgit haben zu quatschen und zu quat-schen und zu quatschen. Nur Fannie kann sich noch durchsetzen damit irgendje-mand mit ihr Gassi geht. Gemeinsam gehen wir noch mal zum Super-U einkaufen. Insbesondere die Wasservorräte gingen zur Neige. Als wir in Calvi noch mal tanken wollen ist die Tankstelle jedoch wegen Bauarbeiten geschlossen, somit muss der Diesel bis Cavalaire reichen.

Am Sonntag hat sich der Nebel gelichtet. Wir gehen zurück nach Girolata, nehmen dieses Mal die Abkürzung durch die Passage de Gargalu. Birgit will Ute diesen Traum-Ort unbedingt zeigen. Mit dem Dingi geht es in die nächste Bucht um Baden, der Ort wird rauf- und runtergelaufen und die beiden verbringen eine Stunde im Andenkenladen (ich bin dort nach 3 Minuten vor langer Weile abgehauen). Da unser Dingi nur Platz für zwei Erwachsene plus Fannie hat wird jeder Ausflug eine logistische Meisterleistung mit jeweils zwei Fahrten. 

Wir bleiben auch noch den Montag in Girolata. Am Abend gehen wir im Res-taurant „Le Belle Ombre“ köstlich essen. Ein Traum! Ute und ich teilen uns ein Charelois-Steak, Birgit ist Jacobsmuschel. 

Die Rückreise

Kurz vor zwei Uhr in der Nacht legen wir ab um die Rückreise nach Südfrankreich zu beginnen. Es ist Vollmond und es herrscht Flaute. Also Dieselgenua! Birgit und Ute übernehmen die erste Wache, nach knapp zwei Stunden übernehme ich die Wache von Birgit, so sind immer zwei Personen (und ein Hund) an Deck. Im Norden ist Wetterleuchten zu sehen. Wir sehen die Blitze, hören aber keinen Donner, es ist also weit weg. Um vier Uhr geht der Mond unter, allerdings dauert es nicht lange bis der Sonnenaufgang sich im Osten ankündigt. Mit dem ersten Licht ist auch das Wetterleuchten vorbei und Birgit übernimmt die Wache von Ute. Die Nacht ist also vorbei und es wird ein sonniger Tag ohne Wind. 

Auf dem Atlantik müsste an jetzt auf Wind warten, die 105 Seemeilen bis Cavalaire schafft man aber auch locker unter Motor – wenn der Diesel reicht. Da wir in Calvi nicht mehr tanken konnten kommen in Cavalaire mit fast leerem Tank an. Es ist 20 Uhr, wir sind müde, sonnenverbrannt und hungrig. Selbst Fanni will nur noch einen kurzen Spaziergang. Nach 18 Stunden auf See muss sie dringend Gassi gehen, zum langen Strand will sie aber nicht mehr.

Mittwochs ist Markt in Cavalaire also gehen Birgit und Ute shoppen. Zumindest ein wenig, denn wir müssen vor der Mittagspause zur Tankstelle. Unser Tagesziel lautet Port Cros. Wir versuchen zu segeln, müssen dann doch wieder den Diesel zur Hilfe nehmen, können dann aber zumindest den letzten Teil segeln. 

Port Cros ist Karibik pur! Die einzigen Unterschiede, die Boat Boys sind Weiß (und gehören zum Parkpersonal) und statt Reggae-Musik gibt es Popmusik. Vom Boot erinnert der Ort Birgit immer an Marigot Bay auf St. Lucia. Statt einer Straße gibt es Sand, die paar Häuser stehen scheinbar kreuz und quer. Es gibt zwei Hotels, 4 Restaurantd, einem Tauchshop und einen kleinen Krämerladen. 

Ein paradiesischer Ort zu dem wir immer wieder gerne kommen. Auch Ute ist begeistert. Leider darf Fannie jedoch nur an der Leine an Land und dann auch nur im Ort und auf einigen ausgewählten Wegen.

Der Hafen hat ein paar Stege an denen man festmachen kann, aber schöner ist es an einer der Bojen. Wir sind eigentlich in jedem Urlaub hier und haben inzwischen die 13, 14, 15 und 16 zu unseren Stammplätzen erkoren.

Am nächsten Tag, Donnerstag, segeln wir nach Porquerolles. Ja, wir segeln! Bei 3-4 Bft. aus SW können wir einen Anlegerkurs fahren mit dem wir die 10 Seemeilen schnell überwinden. Im Hafen angekommen erfahren wir das eine Regatta angekündigt ist, wir bekommen nur mit Mühe noch einen Liegeplatz. 

Birgit will eine erste Ladung Wäsche waschen, dann durchkämmt sie mit Ute den Ort. Wir machen noch mal einen Spaziergang mit Fannie und trinken unseren Aperitif in einer Bar. Freitagmorgen gehen Birgit Ute und Fannie gemeinsam joggen, ich kann endlich mal ausschlafen.

Saint Mandrier

Leider spricht der Wetterbericht am Freitag gegen unsere Absicht noch nach Ile d’Embiez zu segeln. Ab Samstag soll das Wetter unbeständig werden, sowohl Regen, wie Starkwind sind angekündigt. Also beschließen wir die Rückkehr nach Saint Mandrier. Zumindest können wir noch mal richtig segeln, sehr zu Utes Begeisterung.

In Saint Mandrier werden wir vom Hafenmeister schon erwartet, wir haben unsere Ankunft nochmal telefonisch angekündigt. Wir haben also unser Ziel erreicht.

Samstag und Sonntag verbringen wir damit klar Schiff zumachen, Wäsche waschen, Boot putzen und Arbeitslisten für die Wiederkehr aufzustellen. Am Sonntag regnet es in Strömen und wir steigen ohne Wehmut in den Flieger nach Hamburg.